Neustes

   

 

                        

Der Geburtstag, den wir in diesem Jahr alle gemeinsam feiern dürfen, ist etwas sehr Besonderes. Normalerweise ist ja festzustellen, dass Alter allein nicht als Verdienst betrachtet werden kann. Allerdings gilt diese Weisheit für selbstgewählte Zusammenschlüsse menschlichen Miteinanders nicht in gleicher Weise, wie es für die Alterungsprozesse im Lebenswandel eines jeden Einzelnen von uns gilt. An den Gemeinschaften ist eine ständige Arbeit zum Erhalt erforderlich, es bedarf einer ständigen Erneuerung, ohne den eigentlichen Inhalt aus den Augen zu verlieren. 

Dass wir 400 Jahre Plöner Schützengilde feiern können und damit die älteste Vereinigung in unserer Stadt sind, ist nicht einer einzelnen Person zu verdanken. Ohne den Einsatz und das Engagement jedes Einzelnen ist der Erhalt der Gildetradition am Ende nicht denkbar. So ist es das gemeinsame Wirken aller Gildebrüder über 400 Jahre hinweg, dass uns zu diesem Jubiläum im Jahre 2021 gebracht hat.

Wie wollen wir an dieses besondere Jubiläum dauerhaft erinnern? 

Diese Frage stellte sich dem Vorstand und dem Offizierskorps in der Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe wurden dann Vorschläge gemacht, diskutiert, verworfen und neu überlegt. Der naheliegende Gedanke an einen Stein mit einer Tafel wurde schnell als wenig kreativ verworfen, aber etwas aus Stein wurde schon als eine dauerhafte Möglichkeit gesehen. 

So entstand der Gedanke, den Bildhauer Ingo Warnke, Kulturpreisträger des Kreises Plön, zu fragen, ob er nicht eine Idee für ein Jubiläumsandenken hätte. Er hat sein Atelier zusammen mit Ulf Reisener in Nettelsee. Bewusst wurden dabei die Rahmenbedingungen großzügig gewählt, um dem Künstler Raum für die Entfaltung zu gewähren, was aber in der Findungsphase durchaus zur Beunruhigung führte, da ja nicht absehbar war, was für eine Art Kunstwerk da entstehen würde. 

Während meines ersten Gesprächs mit Ingo Warnke übergab ich ihm eines unser letzten Jubiläumsbücher, um ihn an die Gilde heranzuführen. Sehr erfreut stellt er fest, dass dieses Buch von seinem guten Freund Jochen Storjohann geschrieben wurde. Es entstand sofort ein persönlicher Bezug der mich in meiner Überzeugung bestätigte, dass wir auf dem richtigen Weg waren. 

Als Herr Warnke uns dann im März 2021 seine Idee und einen Entwurf vorstellte, war ich restlos begeistert – besser hätten wir es nicht treffen können. Der Stein mit dem Gildevogel in durchbohrter Form und den wichtigen Jahreszahlen sagt auf den ersten Blick alles aus, was unser Jubiläum ausmacht. Der Zeitraum, in dem die Plöner Schützengilde das Schießen nach dem sächsische Papagoy in brüderlicher Gemeinschaft in und für unsere Stadt erhalten hat. Perfekt!

Weitere Informationen über den Bildhauer Ingo Warnke und seine Arbeiten finden sie hier

Für den gewünschten Standort gab es mehrere Ansätze, letztlich entschied sich die Arbeitsgruppe dann einstimmig, dem Vorstand die Aufstellung des von Ingo Warnke vorgeschlagenen Steines auf dem neugestalteten Gelände an der Johanniskirche in Plön zu empfehlen. 

Nirgendwo ist die Erinnerung an Herzog Hans Adolf in unserer Stadt präsenter; er war einer unserer größten Gönner im 17. Jahrhundert. Durch seine Unterstützung konnte sich die Gilde nach mehreren Kriegen wieder neu finden und entfalten. Die Nähe zum Museum, in welchem wir unser Archiv und unser Silber bewahren und vermitteln, in welchem Gebäude aber auch mit dem Apotheker Hasse ein sehr wichtiger Ältermann unserer Gilde zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte, zeigt ebenfalls die Gildeverbindung. An dieser Stelle gab es in früheren Zeiten die Trennung unserer Stadt in die Alt- und die Neustadt, doch die Gilde war eine Vereinigung die sich, trotz ihrer Gründung in der Altstadt, immer als Verbindung aller Plöner gesehen hat. Sie war auch bereit, sich dafür mit Amtsverwalter Hennings des dänischen Königs auf dem Schloss zu Beginn des 19. Jahrhunderts anzulegen. Mit Waffengewalt wurde die Gilde damals gezwungen, ihre Feierlichkeiten in der Neustadt zu unterlassen und ihre Fahne wurde konfisziert, als sie ihren Neustädter Gildekönig, den Kaufmann Pauly, nach dem Fest nach Haus geleitete. Diese und noch weitere Anlässe der vergangenen 400 Jahre verbinden unsere Gilde mit diesem Teil unserer Stadt. 

Der neugestaltete Außenbereich der Johanniskirche ist ein schöner, würdiger Ort, um dort ein Kunstwerk zum Andenken an 400 Jahre Plöner Schützengilde in unserer Stadt aufzustellen. Wenn wir uns zukünftig an unserem Stein versammeln, sind sie alle bei uns. All die Gildebrüder der vergangenen Jahrhunderte und auch alle unsere Gildebrüder, die uns zukünftig verlassen müssen.